Der Energiewende Index

Die Energiewende ist ein dynamischer Prozess, der längst begonnen hat. Der Energiewende-Index errechnet für sieben wichtige Themen, wie gut die Energiewende auf Zielkurs ist: je höher die Prozentwerte, desto besser. Die Prozentzahlen werden errechnet, indem der Ist-Wert des vergangenen Jahres mit dem Soll-Wert  einer erfolgreichen Energiewende verglichen wird: Wo müssten wir z.B. beim Ausbau der erneuerbaren Energien heute stehen, damit wir im Jahr 2020 die Energiewende-Ziele erreichen? Nur wenn bei einem Thema 100 % des Sollwerts erreicht und das Kreissegment oben komplett grün ist, sind wir auf Zielkurs. Der Index basiert mehrheitlich auf öffentlichen Zahlen. Er wird von der Umweltallianz in Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Ingenieur-, Planungs- und Beratungs­unternehmen Ernst Basler+Partner jährlich aktualisiert.
 
 

Klimaschutz

Wie steht es um die Schweizer CO2-Emissionen in für die Energiewende wesentlichen Bereichen?

Indikatoren

Emissionen der Stromerzeugung100 %

Indikatoren

Emissionen der Energienutzung34 %

Indikatoren

Emissionen für Konsum50 %

Emissionen der Stromerzeugung

Mit deutlich gegenüber dem Vorjahr gesunkenen Emissionen bleibt die Stromerzeugung der Schweiz  klimaverträglich. Die Schweiz ist hier auf Energiewende-Zielkurs. Damit das so bleibt, dürfen keine erdgasbefeuerten Kraftwerke oder WKK-Anlagen gebaut werden.

Ist 2014:

0.15 Mio. t CO2

Soll 2014:

0.22 Mio. t CO2

100%

Emissionen der Energienutzung

In den letzten Jahren sind die Emissionen der Energienutzung stetig gesunken. Die Fortschritte reichen jedoch noch nicht aus, um die Klimaziele des CO2-Gesetzes und den Energiewende-Zielkurs zu erreichen. Vor allem im Verkehr und im Gebäudebestand gibt es grosse Klimaschutzpotenziale.

Ist 2015:

34.30 Mio. t CO2

Soll 2015:

32.55 Mio. t CO2

34%

Emissionen für Konsum

Viele hierzulande konsumierte Produkte werden im Ausland hergestellt und verursachen dort grosse CO2-Emissionen. Für eine echte Energiewende müssen wir den durch unseren Konsum verursachten CO2-Ausstoss im Inland und im Ausland verringern (und nicht bloss die klimaschädliche Produktion ins Ausland verlagern).

Ist 2011:

109.20 Mio. t CO2

Soll 2011:

76.39 Mio. t CO2

50%

 
 

Atomausstieg

Wie steht es mit dem schrittweisen Atomausstieg in der Schweiz und wie um die mit der Atomkraft verbundenen Risiken?

Indikatoren

Risiko Atomenergie0 %

Indikatoren

Produktion hochradioaktiver Abfälle8 %

Risiko Atomenergie

Die Schweizer AKW sind technisch für eine Betriebsdauer von 40 Jahren ausgelegt. Danach steigt das Störfallrisiko stark an. Jederzeit kann ein AKW-Unfall geschehen - aber die 40 Jahre Betriebszeit stellen die oberste Grenze des zumutbaren Risikos dar. Demnach müssten in 2015 demnach drei der fünf Schweizer AKW abgeschaltet sein, weil sie über 40 Jahre alt sind. Stattdessen laufen bislang alle AKW ohne verbindliche Laufzeitbegrenzung weiter.

Ist 2015:

10689 MWth (MegaWatt thermisch)

Soll 2015:

6602 MWth (MegaWatt thermisch)

0%

Produktion hochradioaktiver Abfälle

Hochradioaktive Abfälle (HAA) stellen eine bis heute ungelöste technische, gesellschaftliche und finanzielle Herausforderung dar und werden noch für mehrere Jahrtausende Mensch und Umwelt bedrohen. Der ungeplante Stillstand einiger AKW 2015 hat diesen Verstoss gegen die Grundprinzipien der Nachhaltigkeit nur geringfügig gemindert.

Ist 2015:

48.8 tSM (Tonnen Schwermetall)

Soll 2015:

0.0 tSM (Tonnen Schwermetall)

8%

 
 

Biodiversität

Wie steht es um wesentliche messbare Indikatoren der Biodiversität in der Schweiz, die durch die Energiewende beeinflusst werden?

Indikatoren

Totholz im Wald39 %

Indikatoren

Eingriff durch neue Wasserkraftwerke28 %

Indikatoren

Ökologische Sanierung von Wasserkraftwerken11 %

Totholz im Wald

5000 Arten sind in ihrem Überleben von ausreichend Totholz im Wald abhängig. Der Anteil der Waldgebiete mit genügend Totholz ist in den letzten Jahren gestiegen aber noch längst nicht hoch genug. Die Holznutzung muss daher effizient und naturverträglich erfolgen

Ist 2014:

125 Bewertungspunkte

Soll 2014:

320 Bewertungspunkte

39%

Eingriff durch neue Wasserkraftwerke

Die Gewässer der Schweiz waren durch den weltweit höchsten Nutzungsgrad bereits vor Beginn der Energiewende übermässig durch Wasserkraft beeinträchtigt. Der Neubau von zahlreichen Kleinwasserkraftwerken - oft auch noch in schützenswerten Gewässerabschnitten - verschärft die Situation weiter.

Ist 2015:

28 Bewertungspunkte

Soll 2015:

100 Bewertungspunkte

28%

Ökologische Sanierung von Wasserkraftwerken

Die meisten Wasserkraftwerke in der Schweiz werden wichtigen Anforderungen des Gewässerschutzes nicht gerecht, weil sie auf alten Konzessionen beruhen. Noch nutzen viel zu wenige Kraftwerksbetreiber die Möglichkeit, bestehende Anlagen ökologisch zu sanieren und mit dem Qualitätslabel "naturemade star" zertifizieren zu lassen.

Ist 2015:

4.4 Prozent

Soll 2015:

15.2 Prozent

11%

 
 

Energieeffizienz

Wie steht es um die Energieeffizienz in der Schweiz in für die Energiewende wesentlichen Bereichen?

Indikatoren

Energieintensität der Volkswirtschaft10 %

Indikatoren

Stromverbrauch der Haushalte0 %

Indikatoren

Effizienz des Personenverkehrs0 %

Indikatoren

Effizienz der Gebäude0 %

Energieintensität der Volkswirtschaft

Die Schweizer Wirtschaft braucht seit Jahren kontinuierlich  weniger Energie, um einen Franken Wirtschaftsleistung zu generieren. Das ist gut, aber noch längst nicht auf Zielkurs.  Eine Lenkungsabgabe auf Energie würde effiziente Unternehmen belohnen und die Schweizer Wirtschaft insgesamt auf Effizienz trimmen.

Ist 2015:

0.478 kWh/CHF

Soll 2015:

0.463 kWh/CHF

10%

Stromverbrauch der Haushalte

Der witterungsbereinigte Stromverbrauch der Privathaushalte pro Kopf ist 2015 wieder gesunken, liegt aber  deutlich über dem Zielpfad. Instrumente wie ein Sparbonus für Stromnetzbetreiber, die sich gegen Stromverschwendung bei ihren Kunden engagieren, würden helfen, auf Zielkurs zu kommen.

Ist 2015:

2295 kWh/Kopf

Soll 2015:

2170 kWh/Kopf

0%

Effizienz des Personenverkehrs

Der Energieverbrauch, um eine Person 1 km weit zu transportieren, geht seit Jahren zurück. Doch er ist immer noch zu hoch, weil der energieintensive Autoverkehr dominiert und viele hierzulande besonders ineffiziente Autos fahren.

Ist 2014:

0.378 kWh/Pkm

Soll 2014:

0.364 kWh/Pkm

0%

Effizienz der Gebäude

Der pro-Kopf-Energiebedarf zum Heizen sinkt zwar weiter konstant, aber er bleibt für den energiewendegerechten Gebäudepark noch viel zu hoch. Die weiter steigende CO2-Abgabe, höhere Fördersätze im Gebäudeprogramm und griffige gesetzliche Anforderungen an bestehende Gebäude sind nötig, um auf Zielkurs zu kommen.

Ist 2014:

5849 kWh/Kopf

Soll 2014:

5703 kWh/Kopf

0%

 
 

Erneuerbare Energien

Wie steht es um den Anteil erneuerbarer Energien in für die Energiewende wesentlichen Bereichen in der Schweiz?

Indikatoren

Anteil erneuerbarer Strom36 %

Indikatoren

Anteil erneuerbare Energien10 %

Anteil erneuerbarer Strom

Der Anteil erneuerbaren Stroms ist 2015 nicht weiter angestiegen. Auf dem Pfad zu einer vollständig erneuerbaren Stromerzeugung bis 2035 sind wir damit nicht. Wenn die Energiestrategie verabschiedet, der Deckel für die kostendeckende Einspeisevergütung auf mindestens 2.3 Rp/kWh angehoben wird und ökologisch ungeeignete Projekte nicht mehr die Warteliste blockieren, rückt dieses Ziel in Reichweite.

Ist 2015:

60.3 Prozent

Soll 2015:

64.7 Prozent

36%

Anteil erneuerbare Energien

Fast jede vierte in der Schweiz verbrauchte Kilowattstunde (kWh) stammt mittlerweile aus erneuerbaren Energien. 1990 war es nur jede sechste. Die Schweiz ist auf dem richtigen Weg – aber zu langsam. Erneuerbare Energien müssen daher auch im Verkehr und in Gebäuden vermehrt fossile Energien ersetzen – z. B. wenn jede alte Ölheizung durch eine erneuerbare Heizungsanlage ersetzt wird.

Ist 2015:

23.0 Prozent

Soll 2015:

26.2 Prozent

10%

 
 

Wirtschaft und Soziales

Wie steht es um wesentliche messbare wirtschaftliche und soziale Indikatoren der Schweiz, die durch die Energiewende beeinflusst werden?

Indikatoren

Energieausgaben der Volkswirtschaft100 %

Indikatoren

Stromausgaben der Haushalte100 %

Indikatoren

Ausgaben für Energieimporte100 %

Energieausgaben der Volkswirtschaft

Von 100 Franken gibt die Schweiz nur 4 für Energie aus. Dieser 2015 nochmals gesunkene Wert ist im internationalen Vergleich sehr niedrig. Auch im Zuge der Energiewende werfen die Ausgaben für Energie die Schweizer Volkswirtschaft nicht aus dem Lot.

Ist 2015:

4.03 Prozent

Soll 2015:

8.00 Prozent

100%

Stromausgaben der Haushalte

Nicht einmal ein Prozent ihres Einkommens geben die Schweizer Haushalte für Strom aus. Im europäischen Vergleich gehört dies zu den tiefsten Werten. Selbst wenn die Haushaltsstrompreise steigen sollten, bleibt Elektrizität für die Schweizer bezahlbar - zumal in den Haushalten grosse Energiesparpotenziale bestehen.

Ist 2015:

0.90 Prozent

Soll 2015:

1.08 Prozent

100%

Ausgaben für Energieimporte

Dank der milden Witterung und dem niedrigen Ölpreis musste die Schweiz 2015 viel weniger für Energieimporte ans Ausland zahlen. Trotz dieser günstigen Ausgangslage fliessen immer noch 6 Mrd. SFR nach Libyen & Co. Wenn die Schweiz auf Energiesparen und einheimische erneuerbare Energiequellen setzt, muss sie noch weniger Geld in die Öl- und Gasländer überweisen.

Ist 2015:

0.972 Prozent

Soll 2015:

1.372 Prozent

100%

 
 

Versorgungssicherheit

Wie steht es um die Sicherheit der Energieversorgung der Schweiz in für die Energiewende wesentlichen Bereichen?

Indikatoren

Stromausfälle100 %

Indikatoren

Gesicherte Leistung100 %

Indikatoren

Eigenversorgungsgrad44 %

Stromausfälle

Nur 21 Minuten lang kein Strom - 525'579 Minuten keine Probleme. Mit diesem neuerlichen Rekordwert zeigte sich die Stromversorgung im Schweizer Durchschnitt 2015. Damit bleibt die Schweiz europäische Spitze. Bei der Umstellung der Stromversorgung von Atomkraft auf Sonne, Biomasse und Wind soll und kann das so bleiben.

Ist 2015:

21 Minuten

Soll 2015:

29 Minuten

100%

Gesicherte Leistung

Auch im Moment der höchsten Stromnachfrage muss der Schweizer Kraftwerkspark noch genügend Reserven bieten. Das war auch in 2015 kein Problem. 10% Sicherheit werden empfohlen; gut fünfmal so viel konnte die Schweiz aufweisen. Ein guter Wert, der durch die Energiewende nicht in Gefahr gerät.

Ist 2015:

5536 MW

Soll 2015:

1008 MW

100%

Eigenversorgungsgrad

Versorgungssicherheit bedeutet auch, möglichst wenig Energie aus unzuverlässigen Quellen wie Russland oder Libyen zu beziehen. Die Schweiz konnte 2015 knapp ein Viertel ihres Energiebedarfs selbst bereitstellen – auch dank der milden Witterung. Mit einer Energiewende auf der Basis von Effizienz und einheimischen erneuerbaren Energien würde unsere Versorgungssicherheit noch deutlich besser.

Ist 2015:

24.6 Prozent

Soll 2015:

26.8 Prozent

44%