Der Energiewende Index

Die Energiewende ist ein dynamischer Prozess, der längst begonnen hat. Der Energiewende-Index errechnet für sieben wichtige Themen, wie gut die Energiewende auf Zielkurs ist: je höher die Prozentwerte, desto besser. Die Prozentzahlen werden errechnet, indem der Ist-Wert des vergangenen Jahres mit dem Soll-Wert  einer erfolgreichen Energiewende verglichen wird: Wo müssten wir z.B. beim Ausbau der erneuerbaren Energien heute stehen, damit wir im Jahr 2020 die Energiewende-Ziele erreichen? Nur wenn bei einem Thema 100 % des Sollwerts erreicht und das Kreissegment oben komplett grün ist, sind wir auf Zielkurs. Der Index basiert mehrheitlich auf öffentlichen Zahlen. Er wird von der Umweltallianz in Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Ingenieur-, Planungs- und Beratungs­unternehmen EBP jährlich aktualisiert.
 
 

Klimaschutz

Wie steht es um die Schweizer CO2-Emissionen in für die Energiewende wesentlichen Bereichen?

Indikatoren

Emissionen der Stromerzeugung100 %

Indikatoren

Emissionen der Energienutzung23 %

Indikatoren

Emissionen für Konsum50 %

Emissionen der Stromerzeugung

Obwohl die Emissionen der Stromerzeugung gegenüber dem Vorjahr gestiegen (!) sind, bleibt die Schweiz hier noch auf Energiewende-Zielkurs. Damit das so bleibt, dürfen keine erdgasbefeuerten Kraftwerke oder WKK-Anlagen gebaut werden.

Ist 2015:

0.20 Mio. t CO2

Soll 2015:

0.21 Mio. t CO2

100%

Emissionen der Energienutzung

Die Emissionen der Energienutzung sind auch im vergangenen Jahr gesunken. Die Fortschritte reichen jedoch bei weitem nicht aus für einen «Paris-verträglichen» Kurs der Schweiz. Dazu braucht es bessere Rahmenbedingungen im aktuell zu beratenden CO2-Gesetz.   

Ist 2016:

33.85 Mio. t CO2

Soll 2016:

30.92 Mio. t CO2

23%

Emissionen für Konsum

Viele hierzulande konsumierte Produkte werden im Ausland hergestellt und verursachen dort grosse CO2-Emissionen. Für eine echte Energiewende müssen wir den durch unseren Konsum verursachten CO2-Ausstoss im Inland und im Ausland verringern (und nicht bloss die klimaschädliche Produktion ins Ausland verlagern).

Ist 2011:

109.20 Mio. t CO2

Soll 2011:

76.39 Mio. t CO2

50%

 
 

Atomausstieg

Wie steht es mit dem schrittweisen Atomausstieg in der Schweiz und wie um die mit der Atomkraft verbundenen Risiken?

Indikatoren

Risiko Atomenergie0 %

Indikatoren

Produktion hochradioaktiver Abfälle19 %

Risiko Atomenergie

Die Schweizer AKW sind technisch für eine Betriebsdauer von 40 Jahren ausgelegt. Danach steigt das Störfallrisiko stark an. Jederzeit kann ein AKW-Unfall geschehen - aber die 40 Jahre Betriebszeit stellen die oberste Grenze des zumutbaren Risikos dar. Demnach müssten in 2016 demnach drei der fünf Schweizer AKW abgeschaltet sein, weil sie über 40 Jahre alt sind. Stattdessen laufen bislang alle AKW ohne verbindliche Laufzeitbegrenzung weiter.

Ist 2016:

10856 MWth (MegaWatt thermisch)

Soll 2016:

6602 MWth (MegaWatt thermisch)

0%

Produktion hochradioaktiver Abfälle

Hochradioaktive Abfälle (HAA) stellen eine bis heute ungelöste technische, gesellschaftliche und finanzielle Herausforderung dar und werden noch für mehrere Jahrtausende Mensch und Umwelt bedrohen. Der ungeplante Stillstand einiger AKW 2015 hat diesen Verstoss gegen die Grundprinzipien der Nachhaltigkeit nur geringfügig gemindert.

Ist 2016:

42.4 tSM (Tonnen Schwermetall)

Soll 2016:

0.0 tSM (Tonnen Schwermetall)

19%

 
 

Biodiversität

Wie steht es um wesentliche messbare Indikatoren der Biodiversität in der Schweiz, die durch die Energiewende beeinflusst werden?

Indikatoren

Totholz im Wald39 %

Indikatoren

Eingriff durch neue Wasserkraftwerke29 %

Indikatoren

Ökologische Sanierung von Wasserkraftwerken12 %

Totholz im Wald

5000 Arten sind in ihrem Überleben von ausreichend Totholz im Wald abhängig. Der Anteil der Waldgebiete mit genügend Totholz ist in den letzten Jahren gestiegen aber noch längst nicht hoch genug. Die Holznutzung muss daher effizient und naturverträglich erfolgen

Ist 2014:

125 Bewertungspunkte

Soll 2014:

320 Bewertungspunkte

39%

Eingriff durch neue Wasserkraftwerke

Die Gewässer der Schweiz waren durch den weltweit höchsten Nutzungsgrad bereits vor Beginn der Energiewende übermässig durch Wasserkraft beeinträchtigt. Der Neubau von zahlreichen Kleinwasserkraftwerken - oft auch noch in schützenswerten Gewässerabschnitten - verschärft die Situation weiter.

Ist 2016:

29 Bewertungspunkte

Soll 2016:

100 Bewertungspunkte

29%

Ökologische Sanierung von Wasserkraftwerken

Die meisten Wasserkraftwerke in der Schweiz werden wichtigen Anforderungen des Gewässerschutzes nicht gerecht, weil sie auf alten Konzessionen beruhen. Noch nutzen viel zu wenige Kraftwerksbetreiber die Möglichkeit, bestehende Anlagen ökologisch zu sanieren und mit dem Qualitätslabel "naturemade star" zertifizieren zu lassen.

Ist 2016:

4.7 Prozent

Soll 2016:

17.6 Prozent

12%

 
 

Energieeffizienz

Wie steht es um die Energieeffizienz in der Schweiz in für die Energiewende wesentlichen Bereichen?

Indikatoren

Energieintensität der Volkswirtschaft43 %

Indikatoren

Stromverbrauch der Haushalte0 %

Indikatoren

Effizienz des Personenverkehrs0 %

Indikatoren

Effizienz der Gebäude0 %

Energieintensität der Volkswirtschaft

Die Schweizer Wirtschaft braucht seit Jahren kontinuierlich weniger Energie, um einen Franken Wirtschaftsleistung zu generieren. Das ist gut, aber noch nicht auf Zielkurs.  Eine schweizweite Lenkungsabgabe auf Energie würde effiziente Unternehmen belohnen und die Schweizer Wirtschaft insgesamt auf Effizienz trimmen.

Ist 2016:

0.462 kWh/CHF

Soll 2016:

0.450 kWh/CHF

43%

Stromverbrauch der Haushalte

Der witterungsbereinigte Stromverbrauch der Privathaushalte pro Kopf ist 2016 deutlich gesunken, liegt aber immer noch weit über dem Zielpfad. Nun müssen die Effizienzziele der Energiestrategie 2050 durch Massnahmen flankiert werden. 

Ist 2016:

2267 kWh/Kopf

Soll 2016:

2144 kWh/Kopf

0%

Effizienz des Personenverkehrs

Der Energieverbrauch, um eine Person 1 km weit zu transportieren, geht seit Jahren zurück. Doch er ist immer noch zu hoch, weil der energieintensive Autoverkehr dominiert und die Neuwagen in der Schweiz in den letzten Jahren nicht effizienter wurden.

Ist 2015:

0.372 kWh/Pkm

Soll 2015:

0.355 kWh/Pkm

0%

Effizienz der Gebäude

Der witterungsbereinigte pro-Kopf-Bedarf an Heizenergie ist im vergangenen Jahr kaum gesunken. Damit bleibt er für den klimagerechten Gebäudepark noch viel zu hoch. Die weiter steigende CO2-Abgabe, höhere Fördersätze im Gebäudeprogramm und griffige gesetzliche Anforderungen an bestehende Gebäude sind nötig, um auf Zielkurs zu kommen.

Ist 2015:

5823 kWh/Kopf

Soll 2015:

5561 kWh/Kopf

0%

 
 

Erneuerbare Energien

Wie steht es um den Anteil erneuerbarer Energien in für die Energiewende wesentlichen Bereichen in der Schweiz?

Indikatoren

Anteil erneuerbarer Strom35 %

Indikatoren

Anteil erneuerbare Energien0 %

Anteil erneuerbarer Strom

Der Anteil erneuerbaren Stroms ist 2016 erfreulich angestiegen. Auf dem Pfad zu einer vollständig erneuerbaren Stromerzeugung bis 2035 sind wir damit aber noch längst nicht. Dazu müssen die Energiestrategie 2050 in Kraft treten und dann intelligente Förderinstrumente für die Zeit nach der heutigen KEV entwickelt werden.  

Ist 2016:

61.1 Prozent

Soll 2016:

66.4 Prozent

35%

Anteil erneuerbare Energien

2016 ist der Anteil erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch zurückgegangen. Damit ist die Schweiz längst nicht mehr auf Zielkurs für einen Abschied von den klimaschädlichen und importabhängigen fossil-atomaren Energieträgern. Erneuerbare Energien müssen auch im Verkehr und in Gebäuden vermehrt fossile Energien ersetzen – z. B. wenn jede alte Ölheizung durch eine erneuerbare Heizungsanlage ersetzt wird.

Ist 2016:

22.1 Prozent

Soll 2016:

27.5 Prozent

0%

 
 

Wirtschaft und Soziales

Wie steht es um wesentliche messbare wirtschaftliche und soziale Indikatoren der Schweiz, die durch die Energiewende beeinflusst werden?

Indikatoren

Energieausgaben der Volkswirtschaft100 %

Indikatoren

Stromausgaben der Haushalte100 %

Indikatoren

Ausgaben für Energieimporte100 %

Energieausgaben der Volkswirtschaft

Von 100 Franken gibt die Schweiz weniger als 4 für Energie aus. Dieser 2016 weiter gesunkene Wert ist im internationalen Vergleich sehr niedrig. Auch im Zuge der Energiewende werfen die Ausgaben für Energie die Schweizer Volkswirtschaft nicht aus dem Lot.

Ist 2016:

3.68 Prozent

Soll 2016:

8.00 Prozent

100%

Stromausgaben der Haushalte

Nicht einmal ein Prozent ihres Einkommens geben die Schweizer Haushalte für Strom aus. Im europäischen Vergleich gehört dies zu den tiefsten Werten. Selbst wenn die Haushaltsstrompreise steigen sollten, bleibt Elektrizität für die Schweizer bezahlbar - zumal in den Haushalten grosse Energiesparpotenziale bestehen.

Ist 2016:

0.90 Prozent

Soll 2016:

1.01 Prozent

100%

Ausgaben für Energieimporte

Dank dem niedrigen Ölpreis musste die Schweiz 2016 viel weniger für Energieimporte ans Ausland zahlen. Trotz dieser günstigen Ausgangslage fliessen immer noch 5 Mrd. SFR nach Libyen & Co. Wenn die Schweiz auf Energiesparen und einheimische erneuerbare Energiequellen setzt, muss sie noch weniger Geld in die Öl- und Gasländer überweisen.

Ist 2016:

0.778 Prozent

Soll 2016:

1.340 Prozent

100%

 
 

Versorgungssicherheit

Wie steht es um die Sicherheit der Energieversorgung der Schweiz in für die Energiewende wesentlichen Bereichen?

Indikatoren

Stromausfälle100 %

Indikatoren

Gesicherte Leistung100 %

Indikatoren

Eigenversorgungsgrad22 %

Stromausfälle

Nur 19 Minuten lang kein Strom - 525'581 Minuten keine Probleme. Mit diesem neuerlichen Rekordwert zeigte sich die Sicherheit der Stromversorgung im Schweizer Durchschnitt 2016. Damit bleibt die Schweiz europäische Spitze. Bei der Umstellung der Stromversorgung von Atomkraft auf Sonne, Biomasse und Wind soll und kann das so bleiben.

Ist 2016:

19 Minuten

Soll 2016:

21 Minuten

100%

Gesicherte Leistung

Auch im Moment der höchsten Stromnachfrage muss der Schweizer Kraftwerkspark noch genügend Reserven bieten. Das war auch in 2016 kein Problem. 10% Sicherheit werden empfohlen; gut fünfmal so viel konnte die Schweiz aufweisen. Ein guter Wert, der durch die Energiewende nicht in Gefahr gerät.

Ist 2016:

5563 MW

Soll 2016:

1109 MW

100%

Eigenversorgungsgrad

Versorgungssicherheit bedeutet auch, möglichst wenig Energie aus unzuverlässigen Quellen wie Russland oder Libyen zu beziehen. Die Schweiz konnte 2016 knapp ein Viertel ihres Energiebedarfs selbst bereitstellen – etwas weniger als im Vorjahr. Mit einer Energiewende auf der Basis von Effizienz und einheimischen erneuerbaren Energien würde unsere Versorgungssicherheit noch deutlich besser.

Ist 2016:

24.2 Prozent

Soll 2016:

27.8 Prozent

22%